MEINUNG: Facebook und das Problem der kommerziellen Überwachung

Text: Alina Birkel

Facebook berechnet Daten, die wir nicht preisgeben wollen und verwendet sie zur Verbesserung der Nutzererfahrung. Das kann bedenkliche Konsequenzen haben.


Autos werden mit Black Boxes ausgestattet, die Daten an Versicherungen schicken, Drogeriemärkte können Schwangerschaften ihrer Kundinnen anhand deren Einkäufen erkennen und tragbare Fitnessgeräte wie Armbänder, sogenannte “wearables” zeichnen Daten auf, die sie an Ärzte und Ärztinnen weiterleiten. Dass unsere Daten überall gespeichert, oft analysiert und zu Werbe- oder sonstigen Zwecken verwendet werden, ist mittlerweile kein Geheimnis mehr. Während Datenschutz-Aktivisten und -Aktivistinnen vor den Konsequenzen warnen, sind jene, die „eh nichts zu verbergen haben“ weniger besorgt. Fakt ist jedoch, dass wir die Kontrolle darüber verloren haben, wer unsere Daten hat und an wen sie weitergegeben werden dürfen.

Daten, die wir nicht freiwillig hergeben, werden berechnet

Mit unseren Facebook-Daten, die uns selbst oft irrelevant erscheinen, kann Facebook auch Informationen berechnen, die wir lieber für uns behalten würden.
Social Media-Unternehmen wie Facebook können so Nutzerinnen-Profile erstellen, die unsere Vorlieben und persönlichen Eigenschaften bis ins Detail speichern und verwerten. Bedenklich ist das, weil wir oft nicht wissen, dass Facebook so viel über uns weiß, und weil wir wenig dagegen tun können.

Ein paar Beispiele:  Facebook kann über die Like-Buttons auf Webseiten berechnen, wann wir diese Seiten besuchen und wie viel Zeit wir auf ihnen verbringen. Laut einer Studie der Arbeiterkammer kann aus einer Analyse der Likes auf Nutzereigenschaften geschlossen werden – beispielsweise auf die ethnische Zugehörigkeit, die politische Einstellung oder die sexuelle Orientierung.

Eine weitere Methode, durch die Facebook gezielt Daten errechnet, sind Kontaktlisten von Smartphones. Wenn wir Facebook Messenger oder die Facebook-App verwenden, synchronisiert Facebook unsere Kontaktlisten. So geben wir Daten über Andere an Facebook weiter, obwohl diese vielleicht selbst gar keine Facebook-Nutzer und -Nutzerinnen sind. Das Soziale Netzwerk kann aus diesen Informationen Profile von Personen erstellen, die sich dort nie registriert haben.

Facebook selbst sagt, dass solche Berechnungen nicht durchgeführt werden. Problematisch ist aber allein schon die Tatsache, dass sie durchgeführt werden können.

News Feed-Algorithmen basieren auf berechneten Daten

Facebook und andere Social Media-Unternehmen verwenden Daten meist zu Werbezwecken. Viel wichtiger ist aber, dass sie auch zur Verbesserung der „user experience“ eingesetzt werden. Dieser Begriff hat besonders in der Fake News-Debatte mediale Aufmerksamkeit bekommen. Der Facebook-Algorithmus funktioniert so, dass er die Daten, die wir durch die Verwendung von Facebook hergeben, verarbeitet und daraus einen persönlichen News Feed erstellt. Damit kreiert Facebook personalisierte, „alternative“ Realitäten, in denen wir nur jene Informationen sehen, die unserer Meinung entsprechen.

Ohne die Daten, die Facebook, Google und co. aus unserem Nutzer-Verhalten beziehen, wäre die Entwicklung jener Algorithmen, die hinter dem Fake-News-Phänomen stecken, nicht möglich. Was ursprünglich aus kommerziellen Motiven entstanden ist, hat mittlerweile auch Auswirkungen auf öffentliche und politische Bereiche.

Regulierung statt Paranoia

Facebook ist ein großer Teil des Social-Media-Marktes, aber auch unseres Alltags.  Sein Algorithmus schafft ihm überdurchschnittlich große Macht. Auch politisch. Mit den Gesetzen zu Datenschutz und Privatsphäre, die wir momentan haben, kann diese Macht nicht eingeschränkt oder kontrolliert werden. Sie stammen aus einer Zeit, in der nicht vorhersehbar war, dass es irgendwann zu diesen Problemen kommen wird. Mit der fortschreitenden technologischen Entwicklung geht ein gesteigertes Bedürfnis nach neuen Regelungen zum Datenschutz im Internet einher: Soll in Zukunft der Handel mit Daten uneingeschränkt erlaubt sein? Brauchen wir neue Gesetze zu Privatsphäre und Datenschutz? Anstatt sich paranoid aus dem Internet zurückzuziehen, sollten wir darüber nachdenken, wie wir Regeln schaffen können, mit denen wir das Internet mit all seinen Vorteilen nutzen und gleichzeitig unsere Privatsphäre schützen können.

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