Reden Sicherheit

„Die Einbrüche hat es vor 40 Jahren gar nicht gegeben.“

„Die Einbrüche hat es vor 40 Jahren gar nicht gegeben.“

Adolf Tiller im Gespräch mit Lisa Wölfl

Bezirksvorsteher Adolf Tiller vor dem Gemälde seiner Urgroßvaters, Foto: Sebastian Schmiedhofer

Bezirksvorsteher Adolf Tiller vor dem Gemälde seiner Urgroßvaters Josef Strobach, Foto: Sebastian Schmiedhofer

 

Der 78-jährige Adolf Tiller posiert vor einem Gemälde seines Urgroßvaters Josef Strobach, der vor über hundert Jahren Politiker des ÖVP-Vorläufers Christlichsoziale Partei war. Dieser habe ihm die Gene mitgegeben, sich um die Menschen zu kümmern. Als Bezirksvorsteher von Döbling, dem 19. Wiener Gemeindebezirk, versucht Tiller das seit 1978, also seit bald 40 Jahren. Mit 2seitig spricht er über das Reden, Einbrüche in seinem Bezirk und warum öffentliches Urinieren für ihn eine Kleinigkeit ist.

Herr Tiller, nächstes Jahr sind Sie 40 Jahre lang Bezirksvorstand. Worauf sind Sie stolz?

Stolz bin ich auf die Arbeit, die ich für die Bürgerinnen und Bürger im 19. Bezirk machen konnte. Mein Urgroßvater hat mir die Gene mitgegeben, für die Menschen da zu sein. Vor allem bei den öffentlichen Verkehrsmitteln ist viel gelungen. Wir haben neue Straßenbahn- und Buslinien eingeführt, die S45. Da bekommt man schon Dankbarkeit zurück, geht zufrieden nach Hause und bemüht sich am nächsten Tag wieder genauso sehr.

Wie sieht Ihr Alltag als Bezirksvorsteher aus?

Wir bekommen sehr viele Mails. Das ist für die Menschen mittlerweile das Einfachste der Welt. Die setzen sich um 00:20 Uhr hin und schicken eine Mail. Damit bin ich schon um 8 Uhr früh ausgelastet. Jeden Tag kommen 20 bis 25 Nachrichten, die bei mir traditionsgemäß sofort beantwortet werden. Wenn die Antwort kompliziert ist, bitte ich um die Telefonnummer. Da kann man Vieles besser erklären. Durch das Reden kommen die Leute noch mehr z‘am als mit Mails. Drei Mal in der Woche habe ich Sprechstunde. Da kommen vier bis fünf Personen.

Pro Woche?

Pro Tag.

Wovor haben die Menschen in Döbling Angst?

In manchen Teilen des Bezirks gibt es echte Gaunergruppen. Wir haben zwei Überfälle bei Ärzten gehabt, untertags. Da hat die Polizei rasch und unbürokratisch geholfen. Die meisten Gauner glauben, dass hier in Döbling Menschen wohnen, die viel Geld haben, dass es hier etwas zu holen gibt. Deswegen gibt es hier eine Einbruchsszene. Obwohl ich sagen muss, dass die Einbrüche im vergangenen Jahr gigantisch zurückgegangen sind.

Woran liegt das?

Wir haben die Grätzlpolizisten. Das sind Polizisten, die den 19. Bezirk sehr gut kennen und zu Fuß durch die Straßen gehen, beobachten. So wie der Inspektor früher. Viele Menschen haben inzwischen auch Alarmanlagen. Das macht es den Einbrechern schwer.

Wie hat sich das Sicherheitsgefühl der Menschen in Döbling in den letzten 40 Jahren verändert?

Die Einbrüche hat es vor 40 Jahren, als ich angefangen habe, gar nicht gegeben. Das ist immer stärker geworden, als sich die, wenn ich so sagen darf, ausländischen Banden festgesetzt haben. In den vergangenen zehn Jahren gab es eine gigantische Zunahme an Einbrüchen. Das sind echte Profis. Die werden in ihrer Heimat ausgebildet, kommen nach Döbling, erledigen ihre „Aufgabe“ und verkaufen die erbeuteten Sachen bei sich zu Hause. In den 78er Jahren hat es ein paar Schlawiner gegeben, Wienerinnen und Wiener, die das eine oder andere als Gag gemacht haben. Die waren aber keine Profis.

Die Anzeigen wegen Einbrüchen sind im vergangenen Jahr zwar zurückgegangen, insgesamt ist die Anzahl der Anzeigen in ganz Wien aber um 5,2 Prozent gestiegen. Welche Rolle können Sie im Bezirk bei der Bekämpfung von Kriminalität spielen?

Ich bin fast 40 Jahre bekannt – das ist mein großer Vorteil. Die Menschen haben Vertrauen zu mir und berichten mir von ihren Beobachtungen. Die kann ich dann sofort an die Polizei weitergeben, die schnell handelt.

Adolf Tiller im Gespräch mit 2seitig-Redakteurin Lisa Wölfl, Foto: Sebastian Schmiedhofer

Adolf Tiller im Gespräch mit 2seitig-Redakteurin Lisa Wölfl, Foto: Sebastian Schmiedhofer

Die Stadt Wien betreibt Videokameras. Öffentlich zugängliche Zahlen gibt es dazu nicht. Wissen Sie, wie viele staatliche Videokameras in Döbling installiert sind?

Naja, bei den U-Bahn-Stationen gibt es welche, in Einkaufszentren. Aber nicht auf öffentlichen Plätzen.

Keine einzige?

Mir persönlich ist nichts bekannt.

In Döbling gibt es mehrere Asylheime. Wie haben sich diese auf die Sicherheit im Bezirk ausgewirkt?

Am Anfang haben die Menschen große Angst gehabt. Es ist aber nichts passiert. Manchmal haben die jungen Männer innerhalb der Gruppe gerauft und dann die Polizei gerufen. Aber außerhalb der Gruppe gab es nie etwas. In der Bachofengasse haben die Asylwerber anfangs geglaubt, dass sie mit der E-Card beim Hofer bezahlen können. Da haben die Bürgerinnen und Bürger von Nußdorf denen das Essen gezahlt. Da gibt es echte Kooperation und Verständnis. Ein paar Damen oder Herren gibt es, die anrufen und erzählen, sie haben da einen gesehen, der irgendwohin Lulu gemacht hat – naja, das macht der Wiener auch, samma uns ehrlich. Ist uns allen schon passiert (lacht).

Glauben Sie, dass in Döbling zukünftig mehr Überwachungsmaßnahmen nötig sein werden, um Kriminalität zu bekämpfen?

So wie es jetzt ist, ist es sicherlich nicht notwendig, zusätzliche Maßnahmen zu setzen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview & Text: Lisa Wölfl
Fotos: Sebastian Schmiedhofer

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