Manchmal wünscht man sich, dass Parteien hin und wieder über ihren eigenen Tellerrand blicken – liegt der Fokus aber auf dem Teller selbst, so ist der Aufschrei vorprogrammiert. Auch wenn es dabei um die Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger geht. Doch der Eingriff in die Freiheit der Kulinarik wird oft falsch verstanden – und von den Boulevardmedien leider nur zu gerne ausgeschlachtet.

“Meine Pommes sind nicht krebserregend”

Wenn Speisen geröstet, gebacken oder frittiert werden, entsteht dabei Acrylamid. 2002 wurde es erstmals nachgewiesen: Im menschlichen Körper wird Acrylamid in Glycidamid umgewandelt und steht im Verdacht , das Erbgut zu verändern und Krebs auszulösen. Eigentlich eine erschreckende Annahme – der die Europäische Kommission entgegensteuern will: Nach neuen Vorgaben sollen z.B. Kartoffelsorten mit wenig Stärke verarbeitet und mit möglichst niedrigen Temperaturen frittiert werden. Laut einem Test der Arbeiterkammer Wien, welche in 20 Betrieben Pommes getestet hat, hält bereits ein Großteil die künftigen Grenzwerte ein. Voraussichtlich im Frühjahr 2018 tritt die Verordnung in Kraft – beschlossen wurde sie trotz einer Gegenstimme des österreichischen Landwirtschaftsministers Andrä Rupprechter.

Zwanzig Jahre gegen Gentechnik

Zwischen 7. und 14. April 1997 unterschreiben 1.225.790 Österreicherinnen und Österreich das Gentechnik-Volksbegehren – es ist bis heute das zweiterfolgreichste Volksbegehren in der Geschichte. Damals forderte man “Kein Essen aus dem Genlabor in Österreich”, “Keine Freisetzungen genmanipulierter Organismen in Österreich” und “Kein Patent auf Leben”  .

Es hat zwar einige Jahre gedauert, aber heute ist zum Beispiel die gesamte österreichische Milch- und Geflügelbranche auf gentechnikfreies Futter umgestellt. In der Schweine- und Rindfleischbranche hingegen wird es noch eingesetzt. Österreich ist auch eines von 19 EU-Ländern, die den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen verbieten – obwohl es in der EU (hier jedoch nur wenige Arten, nämlich einzelne Mais-, Raps-, Soja- und Baumwollsorten ) nach einer Zulassung erlaubt ist. Das “Patent auf Leben”  bedeutet, dass Landwirte oder Unternehmen ein Patent auf eine gewisse Pflanzenzucht anmelden können. Bei diesem Thema gibt es sowohl national als auch auf EU-Ebene Übereinstimmung: In Österreich sind derartige Patente verboten, europaweit wurden Patente auf konventionelle Züchtungen von der EU-Biopatentrichtlinie ausgeschlossen. Wie der Forscher Stefan Uttenthaler in einem Gentechnik-positiven Gastkommentar auf derStandard.at schreibt, wird Gentechnik wohl nicht ganz aus Österreich verschwinden.

“Sagt mir, was ich esse”

Manche Dinge sind bereits derart in unseren Alltag eingezogen, dass wir gar nicht mehr wissen, dass eine Verordnung der EU dahinter steht. Seit der aktuellen Version der EU-Verbraucherinformationsverordnung  müssen seit Dezember 2016 verpackte Lebensmittel mit Kalorien- und Nährwertangaben, bezogen auf 100 Gramm bzw. Milliliter, angegeben werden . Zuvor gab es diese Bezugsgröße nicht – so musste man im Supermarkt herumrechnen und konnte Produkte in verschiedenen Größen nur schwer vergleichen. Außerdem haben es nun Menschen mit Allergien leichter, mögliche Gefahren früher zu erkennen.

Auf Lebensmitteln müssen zudem die enthaltenen Lebensmittelzusatzstoffe (die sogenannten E-Nummern) angegeben werden. Aktuell sind 316 dieser Stoffe zugelassen – und diese werden regelmäßig von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit überprüft und neu bewertet. Oftmals wird über diese “E-Zahlen” diskutiert, aber: Eine Zulassung erfolgt nur, wenn der Stoff einerseits nachweislich gesundheitlich unbedenklich, andererseits technologisch notwendig ist. Unter “technologisch notwendig” versteht man hier die Zusetzung von diesen Zusatzstoffen, um zu frühes Verderben zu verhindern, das Aussehen oder auch den Geschmack zu verbessern.

Die Politik kocht mit

Es stimmt: Die Politik mischt sich in die Essgewohnheiten der Bürgerinnen und Bürger ein. Das ist gut so. Zahlreiche Entwicklungen in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten haben dazu beigetragen, dass Gifte aus unseren Lebensmitteln verschwunden sind und Käuferinnen und Käufer einen besseren, transparenteren Einblick erhalten, was tagtäglich auf dem Teller landet. Dabei geht es den Verantwortlichen nicht darum zu bevormunden, sondern das Essen weniger gefährlich zu machen.

Die Gute Dinge Kolumne
“Wo bleiben die guten Dinge? Abseits von Negativschlagzeilen beleuchtet Dominik Leitner in seiner monatlichen Kolumne das Positive, das in der politischen Welt passiert.”

Kommentiere

Please enter your comment!
Please enter your name here