Seit der Stein im Rollen ist, hat #MeToo schon für viele Karriereenden gesorgt. Gut ist: Männer in Machtsituationen müssen erkennen, dass es selbst für sie Konsequenzen gibt. Auch in der Politik.

#MeToo hat hohe Wellen geschlagen – glücklicherweise nicht nur in der Film- und Fernsehbranche, sondern auch in der Politik. Innerhalb weniger Wochen traten zahlreiche Politiker aufgrund von Belästigungsvorwürfen zurück – oder wurden von Parteikolleginnen und -kollegen zum Rücktritt gedrängt. Wie in den Newsfeeds auf Facebook und Twitter auch in den Regierungsälen auf der ganzen Welt deutlich wird: sexuelle Belästigung ist ein weltweites, alltägliches Problem.

Eine Reihe von Rücktritten

In den Vereinigten Staaten ist mit Al Franken ein Senatsabgeordneter der Demokraten zurückgetreten. Im vergangenen Jahr tauchten die ersten Belästigungsvorwürfe auf und wurden seitdem immer mehr – am 7. Dezember 2017 kündigte er seinen Rücktritt an. Auch in Großbritannien trat der britische Verteidigungsminister Michael Fallon aufgrund von Belästigungungsvorwürfen im letzten November zurück – im Dezember 2017 schließlich auch der britische Vizepremier Damien Green.

In den skandinavischen Staaten tauchen aktuell fast täglich neue Belästigungsvorwürfe auf. Dabei fiel auch der Name Trond Giske, ein Sozialdemokrat, der seit vielen Jahren Ministerämter innehatte und nun eigentlich den Sprung an die Spitze der norwegischen Sozialdemokraten wagen wollte. Die ersten anonymen Hinweise hat die Partei noch akzeptiert, aber als eine Parteikollegin die Vorwürfe bestätigte, wurde er aus der Partei ausgeschlossen.

Auch in Österreich passierte etwas: Peter Pilz kündigte – ebenfalls aufgrund von Belästigungsvorwürfen – seinen Rücktritt an und nahm sein Mandat für den Nationalrat nicht an – vorerst.

Let’s talk about …

#MeToo wurde innerhalb kürzester Zeit ein weltweites Phänomen – und macht damit sichtbar, in welchem Ausmaß Frauen sexueller Belästigung ausgesetzt sind. Für viele war das ein Schock – und auch ein Grund, selber über das eigene Verhalten nachzudenken, eigene Handlungsweisen zu reflektieren und mit Freunden darüber zu sprechen.

Bei all den zuvor erwähnten Rücktritten ging es nie um sexuellen Missbrauch in Form von Vergewaltigung, sondern um sexuelle Belästigung. Das ist wesentlich: Jeder Mensch mit klarem Verstand verurteilt Vergewaltigungen – aber viele Menschen sind sich nicht bewusst, wann und wo sexuelle Belästigung beginnt. Wenn #MeToo dazu beigetragen hat, dass Männer in Machtpositionen sensibilisiert werden und zur Verantwortung gezogen werden, ist das ein wichtiger Fortschritt.

Noch verhaltenes Österreich

Zurück zu Peter Pilz, der am 14. Jänner angekündigt hat, sein Mandat doch anzunehmen. Für diese Entscheidung erhielt er von Oppositionsführer Christian Kern (SPÖ) und Matthias Strolz (NEOS) viel Kritik. Außerdem steht er vor dem Problem, dass niemand aus seiner Partei seinen oder ihren Platz räumen will, um ihm ein Mandat zu ermöglichen.

Österreich ist in Sachen #MeToo noch sehr langsam und verhalten. Das liegt aber nicht daran, dass sich hier keine Frauen trauen, ihre Geschichten zu erzählen. Sondern vielmehr daran, dass man sich in Österreich schwer tut, ihnen Glauben zu schenken. Weil damit auch der Glaube an den starken Mann, die starke Figur an der Spitze, verloren zu gehen scheint.

Tausche Männer gegen Frauen

Auch Österreich wird sich in die Reihe jener Länder einreihen, in denen #MeToo für Männer reale Konsequenzen hat. Ob in der Politik, im Sport oder in der Kunst. Es dauert halt nur ein bisschen. Gerade deshalb ist es gut, dass die Beteiligten hinter dem diesjährigen Frauenvolksbegehren in einer Aussendung nachfragen, wo die “parlamentarische Clearingstelle gegen sexuelle Belästigung” bleibt. Im November 2017 wurde sie von Kurzzeit-Nationalratspräsidentin Elisabeth Köstinger (ÖVP) angekündigt.

Doch selbst wenn er seine Zeit braucht, der Wandel wird nicht mehr aufzuhalten sein: Sexuelle Belästigung und der Missbrauch einer Machtposition dürfen nicht wieder zu einem Tabuthema werden. Wir brauchen einen offenen Diskurs, müssen uns all die Geschichten anhören und erkennen: Ab wann die Hand auf dem Knie als Belästigung zählt, entscheidet niemals die Person mit der Hand, sondern stets die Person mit dem Knie. Jede Person entscheidet ganz persönlich, wo ihr Unwohlfühlbereich beginnt.

Es ist Zeit, dass wir wieder (oder endlich) damit beginnen, hohe Maßstäbe an unsere Abgeordneten zu setzen. Spannend wäre, wenn all frei gewordenen Ämter von Frauen besetzt werden würden. Dann würde #MeToo neben einem Hinterfragen und Umdenken von Handlungen, Frauen in der Politik auch tatsächlich stärken.

Die 'Gute Dinge' Kolumne
“Wo bleiben die guten Dinge? Abseits von Negativschlagzeilen beleuchtet Dominik Leitner in seiner Kolumne einmal pro Monat das Positive, das in der politischen Welt passiert.”

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