Kindergarten, Volksschule, Ausbildung, Lehre, Studium, Weiterbildung. Bildung nimmt viel Platz ein auf unserem Lebenslauf. Wie Bildung in Kindergärten, Schulen und Ausbildungsstätten sich verändern soll, haben SPÖ und ÖVP  in ihrer Koalitionsvereinbarung 2013 in 21 Zielen festgelegt. Vier Jahre später ziehen wir Bilanz: Was davon wurde umgesetzt und was gekübelt?

Mehr Berufsorientierung & ein neues Pflichtfach


für 774.614 SchülerInnen in Allgemeinbildenden Pflicht- und höheren Schulen


Die Regierung aus SPÖ und ÖVP hat in ihrer Koalitionsvereinbarung festgelegt, “SchülerInnen bei der Bildungs- und Berufswahl entlang von individuellen Interessen und Begabungen zu fördern und zu unterstützen”. Das wird teilweise gelebt:

  • Die Pädagogische Hochschule Niederösterreich in Baden ist die erste LehrerInnenbildungseinrichtung in Österreich, die einen Schwerpunkt auf Berufsorientierung hat. Seit September 2015 werden hier LehrerInnen dafür ausgebildet, Kinder bei dieser Entscheidung zu unterstützen. Das Projekt wurde von der Arbeiterkammer und der Wirtschaftskammer Niederösterreich sowie der Pädagogische Hochschule NÖ mit Unterstützung des Bildungsministeriums umgesetzt.
  • Der “TalenteCheck” ist ein Gemeinschaftsprojekt von Wirtschaftskammer Wien und des Wiener Stadtschulrats: ein Online-Test bietet SchülerInnen eine Orientierungshilfe und soll ihnen zeigen, wo ihre Stärken liegen. Der Test wird in der 8. Klasse der AHS, NMS und WMS angeboten. Auf der Website in einem „Elternbrief“ heißt es, die SchülerInnen sollen dadurch die „Anforderungen der Wirtschaft an künftige Arbeitskräfte besser kennenlernen.“ Die ersten Tests wurden im Jahr 2013 durchgeführt. Im Schuljahr 2014/15 haben den Test 14.000 SchülerInnen absolviert. (https://www.talentecheckwien.at/)

Trotzdem findet Berufs- und Bildungswegorientierung hauptsächlich außerhalb der Schule statt. So veranstaltet zum Beispiel die Arbeitskammer Wien zusammen mit dem Wiener Stadtschulrat die L14 Bildungs- und Berufsinformationstage.

Ab dem Schuljahr 2016/17 ist Politische Bildung ein Pflichtmodul im Fach Geschichte – aber kein eigenes Unterrichtsfach. Ein Pflichtmodul ist ein Teil des Lehrplans, der im Unterricht behandelt werden muss. 2015 wurde ein „Grundsatzerlass“ an Landesschulräte, Stadtschulrat für Wien und Pädagogische Hochschulen verschickt. Mit diesem wird der Grundsatzerlass aus 1978 aktualisiert. Im Erlass wird geklärt, warum Politische Bildung wichtig ist, welche die Ziele sind und wie sie unterrichtet werden soll. Außerdem werden „…alle Lehrenden ebenso wie Schulaufsicht und Schulverwaltung aufgefordert, eine wirkungsvolle Umsetzung der Politischen Bildung durch Weiterleitung dieses Basisdokuments und mit geeigneten Begleitmaßnahmen zu unterstützen. „

Ausbau von Integrationsklassen und integrativer Bildung


Insgesamt 30.701 SchülerInnen mit „sonderpädagogischem Förderbedarf“ in Volksschulen, Hauptschulen, Neuen Mittelschulen, Sonderschulen und Polytechnischen Schulen 


In einer Sonderschule werden behindert oder verhaltensauffällige Kinder getrennt von anderen unterrichtet. Dies widerspricht der UN-Menschenrechtskonvention: Hier heißt es Kinder mit Behinderungen dürfen nicht gesondert unterrichtet werden. Das sei diskriminierend und ausgrenzend.

In einer Richtlinie des Bildungsministeriums werden die Rahmenbedingungen für [tooltip tip=”In Modellregionen werden Ideen erst einmal getestet, bevor sie in ganz Österreich umgesetzt werden.”]Modellregionen[/tooltip] festgelegt. Ab dem Schuljahr 2015/16 haben die Bundesländer Steiermark, Kärnten und Tirol mit dem Aufbau solcher Modellregionen begonnen. Dieser dauert lange, da viele Schritte notwendig sind, um Regelschulen für behinderte SchülerInnen bereit zu machen. Oft müssen Schulgebäude erst umgebaut werden, damit sie barrierefrei sind. Aber auch die Art des Unterrichts muss langsam umgestellt werden. Da so viele Schritte erledigt werden müssen, zweifeln BehindertenrechstvertreterInnen daran, dass behinderte Kinder mit nicht-behinderten Kindern in naher Zukunft gemeinsam unterrichtet werden.

Eine tägliche Turnstunde


für alle burgenländischen Schülerinnen


Seit Beginn des Schuljahres 2016/17 gibt es im Burgenland ein Pilotprojekt für eine tägliche Turnstunde. Ab September 2017 soll die tägliche Turnstunde in allen Bundesländern langsam durchgesetzt werden, so Sportminister Hans-Peter Doskozil. Das Projekt im Burgenland kann aber nur mehr bis 2019 finanziert werden.

LehrerInnenausbildung


für Lehramt-Studierende an Pädagogischen Hochschulen (2015/16 waren das 14.550 in ganz Österreich)


„PädagogInnenausbildung NEU“ ist der offizielle Name der Modernisierung der LehrerInnenausbildung. Die größten Änderungen sind:

  • Es wird nicht mehr zwischen GymnsiallehrerInnen und AHS-LehrerInnen unterschieden. Alle bekommen die gleiche Ausbildung. Unterschieden wird nur mehr zwischen der Primärstufe (Volksschule) und der Sekundärstufe (alles ab der Volksschule)
  • Die Ausbildung findet nicht mehr entweder an der Universität oder der PH (Pädagogischen Hochschule) statt. Beide Einrichtungen arbeiten ab jetzt zusammen.
  • Das Studium dauert fünf anstatt von drei Jahre. Das umfasst Bachelor und Master.

Vorschläge für eine Änderung der Ausbildung wurden bereits 2010 eingebracht.

Im Juli 2013 wurde das Gesetz zur PädagogInnenausbildung beschlossen und die Regierung begann zusammen mit einem „Qualitätssicherungsrat“ zu beraten, die die neue Ausbildung aussehen soll. In diesem Rat saßen insgesamt sechs ProfessorInnen aus verschiedenen Bereichen.

Seit Oktober 2016 wird die neue Ausbildung umgesetzt.

Ganztagsschule


1.403.000 Familien und 112.000 AlleinerzieherInnen in ganz Österreich


Im Dezember 2016 haben SPÖ, ÖVP, NEOS und das Team Stronach das Bildungsinvestitionsgesetz beschlossen. Damit soll bis 2025 die Ganztagsschule überall in Österreich angeboten werden. Der Bund stellt dafür 750 Mio. Euro zur Verfügung. Damit sollen „ganztägige schulische Angebote“ ausgebaut werden.

Verschränkte Ganztagsschule, nennt sich die Form, die in Österreich umgesetzt werden soll. In der verschränkten Ganztagsschule werden SchülerInnen nach der Schule bis 16 Uhr betreut und erledigen in diese Zeit ihre Hausaufgaben oder lernen für Schularbeiten und Tests. Das aber unter Aufsicht mit ständiger Hilfe, wenn diese gebraucht wird. Außerdem soll sich das Nachmittagsprogramm abwechseln und SchülerInnen können Sport machen und kreativ oder naturwissenschaftlich arbeiten.

[RED]

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